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Propaganda Awareness aller Truppen: KdoCIR startet CD&E-Projekt

Bonn, 16.11.2018.

„Ambitioniert, aber alternativlos“ - so beschreibt Oberst Harald Belz das Projekt zur Propaganda Awareness. Es soll innerhalb von drei Jahren die Bundeswehr in die Lage versetzen, Bedrohungen durch krisenhafte kommunikative Entwicklungen frühzeitig zu erkennen, zu bewerten und gegebenenfalls Maßnahmen für einen aktiven Schutz einzuleiten.

Ein Logo des CD&E-Projektes
Das CD&E-Projekt zur Propaganda Awareness (Quelle: Archiv/Bundeswehr)

Zur Kick-Off-Veranstaltung des bundeswehrgemeinsamen „Concept Development and Experimentation“ (CD&E)-Projekts am 12. November im Bundesministerium der Verteidigung in Bonn kamen 30 Soldaten und Zivilisten aus zwölf Dienststellen – vom Veranstalter Kommando Cyber- und Informationsraum (CIR) über das Kommando Heer, das Kommando Sanitätsdienst der Bundeswehr bis hin zum Zentrum Operative Kommunikation der Bundeswehr (ZOpKomBw). Sie alle sind interessiert an diesem Projekt, das im Kern das ZOpKomBw betrifft, aber jeden zur Mitarbeit einlädt. Es läuft bis 30. September 2021.

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Wahrnehmung zählt, nicht Fakten

Ein Soldat hält einen Vortrag
„Die rasante Entwicklung in Sachen Propaganda macht das Projekt alternativlos.“ (Quelle: Bundeswehr/Lieberenz)

Bisher gibt es weder innerhalb noch außerhalb der Bundeswehr geeignete Fähigkeiten in Sachen Propaganda Awareness“, macht Projektleiter Belz deutlich. Er leitet die Referatsgruppe Wirken im Cyber- und Informationsraum im Kommando CIR. Dabei sei die Bundeswehr längst im Fokus gezielter gegnerischer Informationsaktivitäten, wie etwa das Gerücht über die deutschen Soldaten in Litauen zeige, die angeblich ein Mädchen vergewaltigt haben sollen. Mehrere Medien berichteten darüber. „Es kommt nicht darauf an, ob etwas wahr ist, sondern ob es als wahr empfunden wird“, erklärt Belz. „Das Ziel solcher Informationsaktivitäten ist, das Vertrauen in unsere Demokratie zu erschüttern, Unsicherheit zu erzeugen.“

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Bewusstsein über die Manipulation von Informationen

Schon das Weißbuch zur Sicherheitspolitik 2016 benennt die Nutzung der digitalen Kommunikation zur Beeinflussung der öffentlichen Meinung als besondere Herausforderung für die Gesellschaft – „angefangen mit der unerkannten, gezielten Steuerung von Diskussionen in sozialen Netzwerken bis hin zur Manipulation von Informationen auf Nachrichtenportalen“. „Fake News“ und Hybride Kriegführung werden hier oft als Schlagwörter genannt. Doch bei aller Breite des Themas: Das CD&E-Projekt Propaganda Awareness konzentriert sich auf Propaganda, die sich gegen die Bundeswehr richtet. Der Begriff wird als Oberbegriff unter anderem für Desinformation und gezielt aus dem Kontext genommene Nachrichten verstanden.

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Inspekteur gibt Ziele vor

Dieser Herausforderung nun etwas entgegenzusetzen, ergibt sich aus der Konzeption der Bundeswehr und aus einer Entscheidung des Inspekteurs CIR. Generalleutnant Ludwig Leinhos hat bereits den Aufwuchs des Dezernats Propaganda Awareness im ZOpKomBw entschieden und für das CD&E-Projekt die Zielfähigkeiten Recherche, Analyse, Abwehr und Resilienz vorgegeben.

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„Schneller und cleverer als feindliche Propaganda“

Eine Soldatin hält einen Vortrag
„Wir haben den Anspruch, das Unsichtbare fassbar zu machen“ (Quelle: Bundeswehr/Lieberenz)

Die Analyse ist das Herzstück“, sagt Major Dr. Christina Schiller. Sie entwickelt am ZOpKomBw das Konzept des Projekts. „Damit fangen wir an. Erst wenn wir wissen, wonach wir suchen, können wir planen, wie wir suchen.“ Sie vergleicht die Propagandaanalyse mit einem Eisberg im „Ozean Informationsumfeld“: Sichtbar ist zunächst nur der Facebookeintrag oder das Foto. Darunter aber liege viel mehr: Erstellung, Verbreitung und Auswirkung. „Wir haben den Anspruch, das Unsichtbare fassbar zu machen - um eine Fähigkeit Propaganda Awareness zu entwickeln, die genauso facettenreich aktiv und reaktiv funktioniert, wie es gegnerische Propaganda auch tut – nur schneller und cleverer.“

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Indikatoren-Datenbank

Bereits jetzt plant Dr. Schiller die Entwicklung einer Indikatoren-Datenbank, die „irgendwann prall gefüllt mit regionaltypischen Eigenschaften von Propaganda sein soll.“ Beispielsweise sei die Nutzung von Superlativen ein typisches Propagandamerkmal in einigen Regionen, in anderen nicht. Auch ob es sich um eine ganze Propagandakampagne handelt, soll analysiert werden und vieles mehr. Durch die langfristige Beobachtung soll schließlich auch eine Frühwarnfunktion realisiert werden.

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Künstliche und humane Intelligenz verquicken

Auch IT-Tools werden getestet: „Wir müssen künstliche und humane Intelligenz so verquicken, dass die Analysten sich auf den operativen Nutzen konzentrieren können“, betont die Konzeptentwicklerin. Das heißt: Die Analyse zu Handlungsempfehlungen weiterentwickeln, um schädliche Effekte gegnerischer Propaganda zu minimieren. Und das versteht Schiller als Dienstleistung, die auch andere Kräfte als die der Operativen Kommunikation nutzen können.

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„Propaganda Awareness aller Truppen“

Nach Recherche, Analyse und Abwehr von gegnerischer Propaganda ist es auch eine Forderung des Inspekteurs CIR, die diesbezügliche „Resilienz“ der Bundeswehrangehörigen zu stärken. Konkret bedeutet das für das CD&E-Projekt die Fähigkeit der Bundeswehr, auch unter Belastung durch Propaganda weiter zu funktionieren beziehungsweise zügig wieder zu funktionieren. Dazu will die Fähigkeit Propaganda Awareness mit Spezialwissen beitragen, um das Bewusstsein der Soldaten für die Existenz gegnerischer Informationsaktivitäten zu stärken – wer weiß, mit welchen Erzählungen sich ein Gegner häufig an wen wendet, ist weniger anfällig, ihm zu glauben. Umgesetzt werden könnte das zum Beispiel durch eine zielgerichtete Ausbildung „Propaganda Awareness aller Truppen“, so Projektleiter Belz.

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Informationen so manipulieren zu können, ist neu

Oberstleutnant Christian Bell vom Dezernat Propaganda Awareness im ZOpKomBw spricht von einer „Dauereinsatzaufgabe“. Er hat bereits überlegt, wie es im Grundbetrieb und in mandatierten Einsätzen funktionieren kann: Wie kommt eine verdächtige Informationsaktivität zu seinen Analysten, wie wird sie bearbeitet und wohin gehen die Handlungsempfehlungen. Mit Blick auf die Herausforderung stellt er noch einmal heraus: „Propaganda gab es schon immer. Was im digitalen Zeitalter wirklich neu ist, ist die dramatische Zunahme an Informationen und Möglichkeiten, sie zu manipulieren.“

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Das Projekt lebt vom Mitmachen

Mehrere Personen sitzen in einem Raum
Schnittstellen identifizieren und mitmachen (Quelle: Bundeswehr/Lieberenz)

Zum Ende der Kick-Off-Veranstaltung appelliert Projektleiter Belz: „In Stein gemeißelt ist nur, dass die Fähigkeit aufwächst. Wie genau und vernetzt – das liegt an Ihnen.“ Prompt ergeben sich in der anschließenden Diskussion Schnittstellen mit dem Zentrum Innere Führung der Bundeswehr und dem Zentrum Cybersicherheit der Bundeswehr. Auch andere interessierte Dienststellen können noch mitmachen.

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Das Ergebnis muss im System integriert sein

Einen ersten Zwischenbericht will das CD&E-Projekt im April 2019 liefern und auch darüber hinaus ist ihm Aufmerksamkeit gewiss: Es ist eines der Projekte des neuen Leitungsboards Digitalisierung im Bundesministerium der Verteidigung. Noch ein allerletzter Appell des Projektleiters: „Ich habe schon an mehreren CD&E-Projekten teilgenommen – die Ergebnisse sind oft so wissenschaftlich, dass nur Experten sie verstehen. Unser Ergebnis muss anwendbar und integriert im System Bundeswehr sein.“

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Stand vom: 28.11.18 | Autor: 


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